Zwischen Verantwortung und Freiheit meinen Weg finden
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Zwischen Verantwortung und Freiheit meinen Weg finden
Ich habe eigentlich alles erreicht, was ich mir vorgenommen hatte. Meine Kränze finden großen Anklang bei Florist:innen und – ganz neu – auch bei Einrichtungshäusern. Und trotzdem war der Prozess der Fertigung noch nicht optimal. Nicht, weil in den Werkstätten die Fähigkeiten fehlen würden – im Gegenteil, dort entstehen meine Kränze mit großem handwerklichem Können und viel Sorgfalt –, sondern weil ich selbst in meiner Kommunikation noch nicht klar genug war.
Genau da fing es an, mich zu beschäftigen:
Was genau ist es? Wo brauche ich Sicherheit? Wie verbessere ich meine Preise? All das kostet Zeit und Energie. Denn es sind nicht die Lösungen, die andere dir vorschlagen. Konstruktive Kritik ist für mich wahnsinnig wichtig, sie fließt in all meine Entscheidungen ein. Aber trotzdem soll es mein Weg bleiben. Einer, der zu meinen Ressourcen passt.
Und damit sind wir schon bei der nächsten Herausforderung:
Welche Ressourcen habe ich überhaupt? Rede ich mir etwas schön? Materielles und Finanzielles sind schnell geklärt. Aber was ist mit meinen inneren Ressourcen? Was ist mit meinem Leistungsanspruch? Kann ich mir überhaupt eine Auszeit erlauben? Und wer aufmerksam zwischen den Zeilen liest, spürt, dass es kein „Erlauben“ ist, sondern eher eine Notwendigkeit, etwas zu verändern.
Mir bewusst zu werden, dass ich ganz allein diejenige bin, die alles am Laufen hält – Produktion, Kommunikation, Vertrieb, Kreativität, Menschenführung – war ein riesiger Brocken. Dabei war es doch immer mein Wunsch, frei und selbstbestimmt zu arbeiten. Warum ist es jetzt so schwer? Aufhören – auf gar keinen Fall! Aber was dann?
Selbstfürsorge. Wenn Aufhören keine Option ist, meine berufliche Freiheit mir wichtig bleibt und ich nur eine bestimmte Arbeitszeit habe, in der ich wirklich effektiv arbeiten kann – und dabei auf mich achte –, dann geht es nur über Priorisieren. Aber wie?
Da helfen nur Fragen ans Herz: Was ist deine Leidenschaft? Wovon bekommst du nie genug? Was treibt dich an? Was macht dich glücklich?
Für mich war schnell klar: die Arbeit mit Menschen. Mit ihnen in Kontakt gehen, ihnen zuzuhören, sie auf ihrem Weg unterstützen. Und das geht nur, wenn ich in meiner vollen Kraft bin. Gleichzeitig merke ich, wo ich meine eigenen Grenzen übergehe – oft genau dort, wo ich zu viel gleichzeitig halten will.
Die Zusammenarbeit mit den Werkstätten trägt mich dabei sehr, weil dort Menschen mit großem Können und viel Herz meine Kränze fertigen. Routinen und klare Abläufe geben mir Sicherheit, und doch merke ich, dass ich mutiger sagen darf, was ich brauche. Manchmal fehlen meinen Partner:innen nur kleine Informationen, damit sie mich optimal unterstützen können – mein „Warum“ hinter bestimmten Entscheidungen, klare Prioritäten oder eine Grenze, die ich setze, damit meine Freiheit nicht zur Belastung wird.
Also habe ich Social Media nicht aufgegeben, sondern ruhen lassen. Ich habe mich den administrativen Aufgaben gewidmet, die mir Sicherheit geben und mir langfristig Erleichterung schaffen. Das heißt: Arbeitsabläufe in der Fertigung hinterfragt und verbessert. Die Kommunikation mit den Werkstätten, in der Kreativwelt und im Vertrieb und Versand klarer gemacht. Und ich habe begonnen, Aufgaben zu delegieren, die nicht zwingend bei mir liegen müssen – und keine spontanen Zusatzaufträge mehr anzunehmen, die mich aus meinem Rhythmus bringen.
Ich darf Menschen begleiten und unterstützen, in ihrer Entwicklung wachsen sehen, erleben, wie sie wieder strahlen und ihren Weg gehen, ihr Leben genießen. Genau diese Momente zeigen mir, dass ich am richtigen Platz bin – und dass all die Veränderungen notwendig waren, um meine Arbeit wieder mit Sinn und Freude zu füllen.
